Franken kann Rotwein: Große Rotweine aus Franken entdecken

Wer sagt eigentlich, dass Franken nur Weißwein kann?

Franken und Rotwein? Da muss mancher Weinfreund wahrscheinlich erst einmal kurz überlegen.

Silvaner, Bocksbeutel, Muschelkalk und frische Weißweine – so kennen und lieben wir Franken. Die Region hat sich völlig zu Recht einen Namen als eine der spannendsten Weißweinlandschaften Deutschlands gemacht.

asset_image

Aber Franken kann noch etwas anderes.

Rotwein. Und zwar erstaunlich guten.

Wer sich einmal genauer mit den fränkischen Spätburgundern beschäftigt, entdeckt eine Seite der Region, die außerhalb Frankens noch immer ein wenig unterschätzt wird. Und die aktuellen Bewertungen renommierter Weinkritiker liefern dafür durchaus überzeugende Argumente.

Also: Wer sagt eigentlich, dass Franken nur Weißwein kann?

Ein Blick auf die Bewertungen – und plötzlich wird es spannend

Beginnen wir nicht mit einer Behauptung, sondern mit ein paar Zahlen.

Im aktuellen Falstaff Weinguide Deutschland 2026 finden sich gleich mehrere fränkische Rotweine mit außergewöhnlich hohen Bewertungen. An der Spitze steht der Bürgstadt Hundsrück Spätburgunder GG 2023 von Rudolf Fürst mit 97+ Punkten.

Ebenfalls beeindruckend: Der Bürgstadt Centgrafenberg Spätburgunder GG 2023 und der Klingenberg Schlossberg Spätburgunder GG 2023, beide ebenfalls von Rudolf Fürst, erhielten jeweils 96 Punkte. Auch der Sommerach Katzenkopf Spätburgunder trocken 2023 von Richard Östreicher wurde mit 96 Punkten bewertet. Der Frühburgunder „R“ 2023 von Rudolf Fürst kam auf 95+ Punkte. (Falstaff)

Das sind keine Zufallstreffer.

Und spätestens bei solchen Bewertungen wird die Frage interessant: Was macht Franken eigentlich so spannend für Rotwein?

Franken ist nicht gleich Franken

Eine der schönsten Eigenschaften Frankens ist seine Vielfalt.

Das Anbaugebiet zieht sich entlang des Mains von der Gegend um Aschaffenburg bis nach Iphofen. Dabei verändern sich Landschaft, Böden und Mikroklima teilweise deutlich.

Im Mainviereck rund um Bürgstadt und Klingenberg dominiert Buntsandstein. Genau dort liegen zwei der bekanntesten Rotweinorte Frankens.

Im Maindreieck rund um Würzburg und Escherndorf prägt dagegen Muschelkalk die Weinberge. Weiter östlich, rund um Iphofen, findet man Keuper.

Das klingt zunächst nach Geologieunterricht. Für Weinfreunde ist es aber ziemlich interessant, denn unterschiedliche Böden und Lagen schaffen unterschiedliche Voraussetzungen für die Reben. Der VDP bezeichnet Klingenberg und Bürgstadt ausdrücklich als die großen Rotweinorte Frankens. (VDP)

Und dann kommt noch etwas dazu: das Klima und vor allem die Mikroklimate der einzelnen Lagen.

Genau hier wird Wein spannend. Denn zwei Weinberge, die gar nicht so weit voneinander entfernt liegen, können ihren Reben ganz unterschiedliche Bedingungen bieten.

Bürgstadt und Klingenberg: Hier zeigt Franken seine rote Seite

Wenn man über große Rotweine aus Franken spricht, kommt man an Bürgstadt und Klingenberg kaum vorbei.

Bürgstadt liegt im Mainviereck, geschützt durch die umliegenden Mittelgebirge. Besonders die Lagen Hundsrück und Centgrafenberg sind eng mit dem fränkischen Spätburgunder verbunden.

Der VDP beschreibt den Centgrafenberg als südlich ausgerichtete Lage in einem geschützten Talkessel. Die roten Buntsandsteinböden und das warme Mikroklima schaffen dort sehr gute Bedingungen für Spätburgunder. (VDP)

Noch spektakulärer wird es in Klingenberg.

Die dortige Lage Schlossberg steigt teilweise extrem steil über dem Main auf. Der VDP nennt Hangneigungen von bis zu 90 Prozent und beschreibt den Klingenberger Schlossberg historisch als eine große Burgunderlage Deutschlands. Die Reben stehen auf steinigem Buntsandstein, und die alten Trockenmauern speichern Wärme und geben sie nachts wieder an die Reben ab. (VDP)

Man kann sich also gut vorstellen, warum hier keine gewöhnlichen Bedingungen herrschen.

Und vielleicht erklärt das auch ein Stück weit, warum manche fränkischen Spätburgunder so erstaunlich fein und langlebig wirken.

Was macht einen guten Franken-Spätburgunder aus?

Natürlich gibt es nicht den einen typischen Franken-Spätburgunder.

Aber viele gute Beispiele verbindet eine gewisse Eleganz.

Es geht nicht unbedingt um maximale Kraft oder möglichst viel Holz. Viel interessanter sind feine Frucht, Frische, Würze und eine klare Struktur.

Gerade das macht Spätburgunder so spannend.

Ein guter Pinot Noir muss nicht laut sein.

Er darf leise beginnen, sich langsam entwickeln und mit jedem Schluck ein bisschen mehr zeigen.

Und genau diese Art von Rotwein passt erstaunlich gut zu Franken.

Franken kann Rotwein – aber Franken bleibt Franken

Bei aller Begeisterung für Spätburgunder sollte man eines nicht vergessen: Franken muss kein zweites Burgund werden.

Die Stärke der Region liegt gerade darin, ihren eigenen Charakter zu bewahren.

Der VDP beschreibt Franken als Region mit sehr unterschiedlichen geologischen Voraussetzungen: Buntsandstein im Mainviereck, Muschelkalk im Maindreieck und Keuper im Steigerwald. Diese Vielfalt ist ein wichtiger Teil der Identität der Region. (VDP)

Und deshalb schmeckt ein Spätburgunder aus Klingenberg eben nicht automatisch genauso wie einer aus Escherndorf.

Das ist gut so.

Denn beim Wein geht es nicht darum, möglichst genau einen anderen Ort nachzuahmen. Es geht darum, zu zeigen, was an einem bestimmten Ort möglich ist.

Und dann ist da noch das Maindreieck

Wer Franken nur über Bürgstadt und Klingenberg betrachtet, würde allerdings eine wichtige Seite der Region verpassen.

Denn auch im Maindreieck entstehen interessante Rotweine.

asset_image

Hier wird es für uns besonders spannend, denn das Weingut am Lump liegt direkt unterhalb der berühmten Steillage Escherndorfer Lump.

Die Lage ist von tiefgründigem Muschelkalk geprägt und weist bis zu 70 Prozent Hangneigung auf. Durch ihre Südwest-Ausrichtung und das besondere Mikroklima entstehen Bedingungen, die dem Weinbau hier einen ganz eigenen Charakter geben. (Weingut am Lump)

Das Weingut bewirtschaftet knapp sieben Hektar Steillagen und arbeitet dabei mit viel Handarbeit. Riesling und Silvaner stehen traditionell im Mittelpunkt, aber auch die roten Rebsorten gehören zum Sortiment.

Und genau hier zeigt sich wieder: Franken muss nicht laut sein, um interessant zu sein.

Spätburgunder aus dem Escherndorfer Lump

Ein schönes Beispiel ist der Escherndorfer Lump Spätburgunder Kabinett trocken 2023 vom Weingut am Lump.

Er spielt nicht in derselben Liga wie ein 97-Punkte-GG aus Bürgstadt – und genau das muss er auch gar nicht.

Seine Stärke liegt woanders.

Feine Kirschfrucht, dezente Würze und eine frische, elegante Art machen ihn zu einem unkomplizierten Einstieg in die rote Seite Frankens.

Besonders schön: Er muss nicht zwingend bei Zimmertemperatur getrunken werden.

Mit 12–14 °C leicht gekühlt serviert, wirkt er frisch, klar und angenehm leichtfüßig.

Das macht ihn zu einem Rotwein, der sich auch sehr gut zum Essen eignet – von Pasta über Geflügel bis zu Wild.

Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Eigenschaften fränkischer Rotweine: Sie wollen nicht beeindrucken. Sie wollen gefallen.

Und was ist eigentlich mit Schwarzriesling?

Spätestens jetzt kommt eine Rebsorte ins Spiel, die viele Weinfreunde nicht unbedingt mit Franken verbinden.

Schwarzriesling - Der Name führt dabei ein wenig in die Irre. Mit Riesling hat die rote Rebsorte nämlich nichts zu tun. International ist sie als Pinot Meunier bekannt.

Sie ist vor allem für ihre fruchtbetonte, zugängliche Art bekannt und kann gerade deshalb eine schöne Alternative zum klassischen Spätburgunder sein.

Das Weingut am Lump zeigt mit dem Dettelbacher Sonnenleite Schwarzriesling Kabinett 2023, wie charmant diese Rebsorte aus Franken sein kann.

Zarte Kirschfrucht, feine Würze und eine angenehme Frische treffen auf eine feinherbe Stilistik.

Das Ergebnis ist kein schwerer Rotwein für den großen Kaminabend.

Eher einer für den Abend, an dem man noch ein Glas möchte.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum solche Weine manchmal schneller leer sind als die großen Flaschen mit den großen Namen.

Große Rotweine aus Franken? Ja.

Natürlich sollte man bei solchen Aussagen ein wenig auf dem Boden bleiben.

Nicht jeder Rotwein aus Franken ist automatisch großartig. Das wäre genauso wenig sinnvoll zu behaupten wie bei jeder anderen Weinregion.

Aber die Fakten sprechen eine klare Sprache:

Franken bringt Rotweine auf Spitzenniveau hervor.

97+ Punkte für einen fränkischen Spätburgunder.

96 Punkte für weitere Spitzenweine aus Bürgstadt, Klingenberg und Sommerach.

Und dahinter eine lange Weinbautradition, besondere Lagen und Böden, die sehr unterschiedliche Stilistiken ermöglichen.

Der VDP führt in Franken zahlreiche VDP.GROSSE LAGEN – darunter Hundsrück und Centgrafenberg in Bürgstadt, Schlossberg in Klingenberg und auch den Am Lumpen 1655 in Escherndorf.

Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass Franken längst mehr ist als eine reine Weißweinregion.

Drei Wege, Franken neu zu entdecken

Wer bisher hauptsächlich Silvaner und Riesling aus Franken getrunken hat, muss deshalb nicht gleich eine Flasche für dreistellige Beträge kaufen.

Man kann viel entspannter anfangen.

1. Spätburgunder

Wer elegante Rotweine mit feiner Frucht und Frische mag, sollte sich fränkischen Spätburgunder genauer ansehen.

2. Schwarzriesling

Wer es fruchtiger und unkomplizierter mag, kann Schwarzriesling beziehungsweise Pinot Meunier entdecken.

3. Die großen Lagen

Und wer wissen möchte, was Franken ganz oben kann, schaut nach Bürgstadt und Klingenberg – und probiert sich einmal durch die großen Spätburgunder der Region.

So bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich Franken sein kann.

Vielleicht sollten wir Franken einfach neu denken

Vielleicht ist das eigentlich die schönste Erkenntnis.

Franken muss sich gar nicht entscheiden zwischen Weißwein und Rotwein.

Die Region kann Silvaner.

Sie kann Riesling.

Sie kann Spätburgunder.

Und sie kann sogar mit Rebsorten überraschen, die man dort gar nicht erwartet.

Wer Franken bisher nur mit Bocksbeutel und Silvaner verbunden hat, sollte deshalb ruhig einmal über den Tellerrand schauen.

Vielleicht steht beim nächsten Frankenwein ja kein weißer Wein im Glas.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem man merkt:

Franken kann Rotwein. Und wie.

Unser Tipp zum Einstieg

asset_image

Wer die rote Seite Frankens selbst entdecken möchte, findet beim Weingut am Lump einen sehr schönen Einstieg:

Der Escherndorfer Lump Spätburgunder Kabinett trocken 2023 zeigt die elegante, frische Seite des Spätburgunders.

Der Dettelbacher Sonnenleite Schwarzriesling Kabinett 2023 bringt dagegen eine fruchtigere und feinherbe Facette ins Glas.

Beide Weine zeigen auf ihre eigene Art, dass Franken beim Rotwein durchaus etwas zu erzählen hat.

Und genau deshalb lohnt es sich, manchmal einfach eine Flasche zu öffnen, die man bisher nicht auf dem Zettel hatte.

FAQ

Kann Franken guten Rotwein?

Ja. Neben seinen bekannten Weißweinen bringt Franken vor allem beim Spätburgunder bemerkenswerte Rotweine hervor. Mehrere fränkische Weine erreichen bei Falstaff Bewertungen von 95 Punkten und mehr. (Falstaff)

Wo entstehen die bekanntesten Rotweine Frankens?

Vor allem Bürgstadt und Klingenberg im Mainviereck gelten als wichtige fränkische Rotweinorte. Dort spielt insbesondere Spätburgunder eine große Rolle. (VDP)

Welche rote Rebsorte ist in Franken besonders wichtig?

Spätburgunder gehört zu den wichtigsten roten Rebsorten Frankens. Daneben findet man unter anderem Frühburgunder, Domina und Schwarzriesling.

Was ist Schwarzriesling?

Schwarzriesling ist die deutsche Bezeichnung für Pinot Meunier. Trotz seines Namens ist er nicht mit Riesling verwandt.

Warum sind Bürgstadt und Klingenberg für Rotwein interessant?

Buntsandstein, warme und geschützte Lagen sowie teilweise sehr steile Weinberge schaffen besondere Voraussetzungen für den Rotweinbau. Besonders der Klingenberger Schlossberg gilt als bedeutende Burgunderlage. (VDP)

Kann man fränkischen Spätburgunder leicht gekühlt trinken?

Ja. Gerade elegante, fruchtbetonte Spätburgunder können bei etwa 12–14 °C sehr schön wirken.

Was macht die Escherndorfer Lump besonders?

Die Steillage ist von tiefgründigem Muschelkalk geprägt und besitzt ein besonderes Mikroklima. Das Weingut am Lump bewirtschaftet dort Weinberge mit bis zu 70 Prozent Hangneigung. (Weingut am Lump)

Welcher Franken-Rotwein eignet sich zum Einstieg?

Ein zugänglicher Spätburgunder ist ein guter Einstieg. Wer etwas Ungewöhnlicheres probieren möchte, kann auch einen fruchtbetonten Schwarzriesling beziehungsweise Pinot Meunier entdecken.